Maurerinnenausbildung schafft Sicherheit und neue Perspektiven für (indigene) Frauen
Am Rand der Millionenstadt Cochabamba leben viele Familien in informellen Siedlungen: selbstgebaute Häuser ohne sichere Wände, Strom oder Wasser. Besonders betroffen sind indigene Frauen.
Mit der Maurerinnenausbildung schließen wir an einer Vorphase aus dem Jahr 2025 an und unterstützen dieses Jahr in einem weiteren Distrikt acht bestehende Frauenbaugenossenschaften sowie zwei neue Frauengruppen im Aufbau. Insgesamt werden 40 weitere Frauen zu qualifizierten Maurerinnen weitergebildet. Sie lernen nicht nur Bau- und Materialkunde, sondern setzen ihr Wissen direkt um – indem sie ihre eigenen Häuser fachgerecht sichern, renovieren und menschenwürdig gestalten.
Das Gesamtbudget für 2026 beträgt 40.000 Euro. Die DESWOS finanziert 20.000 Euro, vor allem für dringend benötigte Baumaterialien sowie die fachliche Begleitung durch eine Sozialarbeiterin und einen Raumplaner. Die restlichen 20.000 Euro für projektbezogenes Personal werden von einer Stiftung getragen.
Baumaterialien
18.773 Euro
Sozialarbeit
613 Euro
Raumplanung
613 Euro
Helfen Sie Frauen dabei, nicht nur Häuser, sondern ihr eigenes Leben neu aufzubauen. Jede Spende fließt in sichere Häuser, starke Frauen und Zukunftsperspektiven.
Herzlichen Dank!
Das Projekt richtet sich an (indigene) Frauen und ihre Familien, die aufgrund fehlender wirtschaftlicher Perspektiven aus ländlichen Regionen in die Stadt und gleichnamige Provinz Cochabamba im Hochland Boliviens migriert sind. Die Mehrheit der vorwiegend armen Familien hat sich in der Peripherie Cochabambas in informellen Siedlungen niedergelassen.
Dort leben sie in selbstgebauten, überbelegten Häusern, die aufgrund fehlender Baustandards eine große Gefahr für sie darstellen.
Fehlende Eigentumstitel für Grundstücke und Häuser tragen zu einer ständigen Angst vor Vertreibung bei. Nicht selten werden Häuser ohne Vorwarnung von heute auf morgen abgerissen.
Gleichzeitig reduziert gerade der informelle Status von Land und Wohnraum, die Bereitschaft der Städte und Kommunen zu Investitionen. Etwa zu einem adäquaten Zugang zu Dienstleistungen und Infrastruktur. Die Familien haben nur einen mangelhaften Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Eine flächendeckende Stromversorgung und ein funktionierendes Abwassersystem gibt es nicht.
Die überwiegend indigene Migrantenbevölkerung hat ein niedriges Bildungsniveau und ist mit Dienstleistungstätigkeiten (Reinigung, Sicherheit, Transport) und dem Handel und Verkauf von Waren (Kleidung, Nahrungsmittel etc.) beschäftigt . Meist leiden die Familien unter sozialer Ächtung und Ausgrenzung, oftmals auch aufgrund ihrer indigenen Herkunft. Frauen sind dabei zusätzlich geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt.
Das stete, planlose Heranwachsen der Siedlungen stellt ein weiteres großes Problem dar. Ebenso die topografischen Bedingungen. Die Siedlungen befinden sich an Steilhängen, die Böden sind lehmig oder felsig und oftmals von Erdrutschen betroffen.
Im Rahmen des Projektes werden die Frauen daher zunächst im Maurerhandwerk ausgebildet, damit sie ihren Wohnraum fachgerecht verbessern können. Des Weiteren sind Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen bezüglich der Pflege und Wartung des eigenen Wohnraums und Zugangs zu Eigentumstiteln geplant. Hinzu kommen Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen zum Beispiel zum Umgang mit Abfall, Kompostierung, Anlegen von Familiengärten und die Ausarbeitung eines Reglements für Genossenschaften.
Begleitet von Sozialarbeit und Raumplanung entstehen starke, solidarische Netzwerke. Die Frauen unterstützen sich gegenseitig, geben ihr Wissen weiter und werden zu Multiplikatorinnen, die auch künftig andere Frauen ausbilden.
Nach Abschluss des Projektes sind die ausgebildeten Frauen in der Lage, Renovierungen an ihren Häusern selbständig und qualitativ sicher fortzuführen. Zugleich können sie mit kleineren Aufträgen im Baugewerbe einen Beitrag zum Familieneinkommen leisten. Indem sie sich in zwei Frauenbaugenossenschaften organisieren, wird ein Beitrag zu ihrer Teilhabe an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen bezüglich der Gestaltung ihres Lebensraumes geleistet.