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Was wurde eigentlich aus...

MATI–SCHULHOSTEL oder MUTTER-KIND-HEIM

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DESWOS briefly vom 07.06.2013

Foto: DESWOS
„Wir haben bei der Planung erwartet, dass eher Jungen in das Schulhostel einziehen würden, weil Mädchen in Bangladesch selten in die Obhut Fremder gegeben werden. Zu groß ist die Angst, das Mädchen könnte seinen Ruf verlieren und dann nicht mehr verheiratbar sein. Es ist anders gekommen, denn zurzeit leben im Hostel nur Mädchen und Frauen. Unbeabsichtigt hat das Hostel zurzeit eine weitere Funktion. Für einige Mütter und ihre Kinder ist es eine Zuflucht geworden,“ schreibt Andrea Rahaman, Leiterin der Partnerorganisation MATI aus Bangladesch, in ihrem Abschlussbericht an die DESWOS.

Landflucht mit schweren Folgen für die Kinder Die Grundschule im ländlichen Huzurikanda, im Norden von Bangladesch, ist ein Segen für viele Kinder. Die Partnerorganisation MATI hat hier vor einigen Jahren mit der Unterstützung der DESWOS eine Schule für Kinder aus extrem armen Familien errichtet. Die Schule ist kostenfrei und ermöglicht jährlich 300 Kindern den ersten Zugang zu Bildung. Das Dorf Huzurikanda bietet außerhalb der Landwirtschaft kaum Arbeitsmöglichkeiten. Wegen der zunehmenden Landknappheit und geringer Ernteerträge verlassen immer mehr Familien die Region und suchen in großen Städten eine Arbeit. Jüngere Kinder nehmen sie mit. Diese müssen die Schule dann abbrechen. Sie gehen in eine ungewisse Zukunft, wenn sie die Eltern begleiten. Es kann sich niemand um sie kümmern. Einige enden in den Slums als Bettler, Straßenverkäufer oder gar als Prostituierte.

Mit dem Bau eines Hostels hat die DESWOS mit Hilfe ihrer Spender zusammen mit MATI sowie finanzieller Hilfe der Zukunftsstiftung Entwicklung e.V. ein Zuhause für diese Kinder in Huzurikanda geschaffen. Das zweigeschossige Heim war im April 2012 bezugsfertig. Es bietet mehrere helle Wohnräume, einfache Bäder mit Toiletten, einen Gemeinschaftsraum und einen Schulgarten. Der Gemeinschaftsraum wurde inzwischen zu einem Gästezimmer umfunktioniert. Die Einnahmen daraus und regelmäßige Spenden tragen zum Unterhalt des Hostels bei. Einzug mit Überraschungen Zwei der Bewohnerinnen sind eine Witwe und ihre fünfjährige Tochter Arpa. Nach dem Tod ihres Ehemannes wurde die junge Mutter von der Familie ihres Mannes vertrieben, weil die Schwiegereltern die Enkelin als Last empfanden. Zeitgleich zog eine junge Muslima mit ihrer sechsjährigen Tochter Aditha ein. Ihr Mann hatte sie verstoßen und wollte ihr die Tochter nehmen. Das MATI-Hostel ist für sie eine Zuflucht, in der sie in Sicherheit und Würde leben können.

Beide Frauen teilen sich jetzt ein Zimmer mit ihren Töchtern. Während die Kinder die MATI-Schule besuchen, konnten sich die beiden Frauen im Hostel nützlich machen. Inzwischen haben die allein erziehenden Frauen eine Arbeit außerhalb des Hostels gefunden. So können sie zu ihrem Unterhalt beitragen und das Essen für sich und ihre Töchter selbst zahlen. Es gibt auch Heimeltern, die sich um die Bewohner kümmern: eine Lehrerin der MATI-Grundschule und ihr Mann, ein Sanitäter aus Huzurikanda, haben sich bereit erklärt, das Hostel zu betreuen.

Zuflucht für alle SchülerInnen und Mütter in Not

Das Hostel ist heute eher ein Mutter-Kind-Heim. „Das widerspricht nicht unbedingt der ursprünglichen Planung,“ meint Andrea Rahaman. Denn das Hostel erfüllt die wichtige Funktion, mittellosen, von ihren Männern verlassenen Frauen mit Kindern einen sicheren Aufenthaltsort zu geben und sie vor Gewalt zu schützen. Und für die Kinder wird der Schulbesuch ermöglicht.“ Das Hostel wird weiter offen stehen für bedürftige Schülerinnen und Schüler der MATI-Schule, aber auch für Mütter und Kinder in akuten Krisen. Es gibt schon Pläne, weitere Räume auf dem Dach des Hostels zu errichten.

Weitere Hintergrundinformationen zu diesem Hilfsprojekt finden Sie auf unserer Website unter der Rubrik Projekte.