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HAUSBAUPROJEKT IN CUDDALORE, TAMIL NADU

Der indische Wirbelsturm „Thane“ von 2011 und die vergessenen hilfsbedürftigen Menschen

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DESWOS briefly vom 07.06.2013

Foto: Lars Wiederhold, Immobilien Zeitung
Der 30. Dezember 2011 wird den Menschen in Cuddalore in Südindien in schrecklicher Erinnerung bleiben. Es war der Tag, an dem der Wirbelsturm „Thane“ die Küste von Tamil Nadu erreichte und innerhalb weniger Stunden unermessliche Schäden für tausende von Menschen anrichtete. Die Küstenbewohner erinnern sich an den Tsunami des Jahres 2004, aber sie sagen: „Thane war viel schlimmer für uns, denn wir haben unsere Zukunft verloren, unsere Häuser und Hütten, unsere Ernte auf dem Halm und schlimmer noch, unsere Pflanzungen mit Kokospalmen, Cashew- und Jackfrucht-Bäumen. Es braucht über fünf Jahre, um alles neu zu pflanzen und bis die Bäume Früchte tragen. Und wovon werden wir das alles zahlen?“ Über 90.000 Hektar bebautes Ackerland wurden damals zerstört, 200.000 Familien waren direkt geschädigt und mussten allein für ihr tägliches Überleben teure Kredite aufnehmen, die viele bis heute nicht zurückzahlen konnten.

Die einfachen Hütten wurden einfach weggeblasen, denn Wirbelstürme mit dieser Macht hält kein Strohdach aus und Lehmhütten ohne Dächer im Regen sind schnell nichts weiter als ein Haufen Lehm. Die Menschen suchten verzweifelt Schutz bei den Nachbarn mit festen Häusern oder in Schulen und Lager hallen. Dann kam der Alltag und die Suche nach Perspektiven zum Überleben.

Viele Menschen wandten sich an die DESWOS-Partnerorganisation BLESS, die in der Region Ausbildungs- und Sozialprogramme organisiert. Es gelang, kleine Entschädigungen von der Regierung zu erhalten, zumindest für eine verlorene Ernte, so dass eine Neuaussaat möglich war. Die Familien mussten aber auch die Zeit bis zur neuen Ernte zu überbrücken. Das war die günstige Stunde für die üblen Geldverleiher, die mit überhöhten Zinsen ihre Chance nutzten. Viele spekulieren darauf, sich bei Nichtzahlung das Land der Kleinbauern anzueignen.

BLESS half den Menschen mit Beratung und begleitete sie zu den Behörden, um dort Hilfe zu mobilisieren. Die Regierung hat immer ein Interesse daran, dass die landwirtschaftliche Produktion funktioniert, denn die Menschen müssen ernährt werden. Als größtes Problem blieb aber offen, wie die Menschen wieder wohnen können. Die meisten versuchten, sich in Provisorien aus den Resten ihrer Hütten einzurichten.

Das Hilfsprogramm der Regierung vergisst die Ärmsten

Die hartnäckige Forderung der Hilfsorganisationen in Tamil Nadu und die große Masse der Obdachlosen zwang die Regierung schließlich, auch für den Wiederaufbau von Häusern ein Programm aufzulegen. Es soll die Familien mit umgerechnet 1.430 Euro Zuschuss unterstützen – eine für indische Verhältnisse äußerst großzügige Summe. Um die staatlichen Mittel vor Zweckentfremdung zu schützen, machte die Regierung zur Auflage, dass zum Einen eine Ratenzahlung nach Baufortschritt erfolgt und zum Anderen nur solche Familien ins Programm aufgenommen werden sollen, die zum Abruf der Mittel bereits die Fundamente für ein Haus vorweisen können. Das soll die Ernsthaftigkeit der Eigenleistung sicherstellen. In diesem Programm haben die ärmeren Familien das Nachsehen: viele können diese notwendige Vorleistung nicht erbringen. Sie scheuen sich zu
Recht, zum Geldverleiher zu gehen, denn bei Nichtzahlung droht die Pfändung des Ackerlandes. Und die Zinsen betragen in vielen Fällen bis zu 60 Prozent!

Auch mit einem DESWOS-Kredit – die Möglichkeiten bleiben bescheiden

Gemeinsam mit der DESWOS hat BLESS zur Abhilfe aus dem Dilemma ein kleines, faires Kreditprogramm entwickelt. Es ermöglicht mit einem Kredit von 485 Euro bei drei Jahren Laufzeit den armen Familien den Bau der Fundamente für ein Haus von etwa 20 Quadratmetern. So erhalten die Menschen, die Hilfe am nötigsten haben, endlich eine Chance an dem Wiederaufbauprogramm der indischen Regierung teilzunehmen. Eine beratende Bauaufsicht und strikte Kontrolle durch BLESS wird dafür sorgen, dass die Vorgaben eingehalten werden und die Familien sich beim Bau der Häuser nicht „verheben“.

Gut organisierte Frauen – eine Lehrstück zur Vermeidung von Korruption

Da unser Partner BLESS schon seit langem gut mit Frauen in Selbsthilfegruppen zusammenarbeitet, war es naheliegend, sie in die Auswahl der ersten 100 Familien einzubeziehen. Sie kennen sich untereinander und sind auch in der Vergangenheit sehr solidarisch miteinander umgegangen. Gemeinsam erlittenes Leid hat die Menschen verbunden. So wurden die Teilnehmerlisten nach gründlicher Diskussion und objektiven Auswahlkriterien zusammengestellt.

In einigen Gemeinden hatte man allerdings die Überlegungen ohne die einflussreichen Vorsitzenden des Dorfrats gemacht. Sie sind von der Regierung ausersehen, die Listen zu befürworten und abzuzeichnen. Und sie setzten kurzerhand andere Familien auf die Liste, nach politischen Erwägungen oder schlicht durch Vetternwirtschaft. Als die Frauengruppen und BLESS davon Wind
bekamen, gab es einen Sturm der Entrüstung – und das Programm für diese Gemeinden wurde ausgesetzt. Inzwischen sind in den Dörfern die Listen korrekt aufgestellt worden. Was ein sehr ärgerliches Ereignis war, hat inzwischen etwas
Positives: die Frauengruppen und BLESS haben durch ihre geradlinige Haltung
sehr an Respekt gewonnen.

Das Fundament des Fundaments – oder was passiert mit den Rückzahlungen?

Die DESWOS bittet Sie sehr um Mithilfe, das Hausbauprogramm für die geschädigten Familien des „Thane“-Wir bel sturms aus Spendenmitteln zu finanzieren. Es hat für dieses katastrophale Ereignis, anders als bei dem Tsunami, kein internationales Echo der Hilfe gegeben – obwohl die Schäden, insbesondere in Tamil Nadu, weitaus größer waren. Wir werden gemeinsam mit BLESS und den betroffenen Familien dafür Sorge tragen, dass die eingesetzten Mittel nach drei Jahren wieder zur Verfügung stehen und neuen Projekten zufließen können. Dafür haben wir mit BLESS und einem weiteren Partner ein Vier-Augen-Treuhandkonto eröffnet, das es er möglicht, neu über die Verwendung der zurückfließenden Kreditmittel zu entscheiden. So kann die Hilfe unserer Spender fortwirken und auch in den nächsten Jahren dort für weitere Familien eingesetzt werden, wo die Not am größten ist.

Weitere Informationen zu diesem Projekt erhalten Sie hier.

Spendenstichwort: 439 NL Fundamente für Familien

DESWOS

Konto: 660 22 21

Sparkasse KölnBonn

BLZ: 370 501 98